Bürgerinitiative gegen eine Fichtelgebirgsautobahn

Keine B 303 neu durch das Fichtelgebirge!

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Gegen den Bau einer sog. „Fichtelgebirgsautobahn“ sprechen eine Vielzahl von verkehrstechnischen, ökonomischen und ökologischen Gründen.

Die wichtigsten Argumente der Bevölkerung und somit auch der Bürgerinitiative sind folgende:

a) Verkehrstechnische Argumente

  • Das Fichtelgebirge ist autobahntechnisch bereits bestens erschlossen

Ein Blick auf die deutsche Autobahnkarte belegt es eindeutig: unser Naturpark Fichtelgebirge wird bereits von –3- Autobahnen (A9, A72, A93) eingeschnürt. Kein Ort im Fichtelgebirge ist weiter als 20 km von einer Autobahn entfernt. Die Autobahndichte hier ist eine der höchsten innerhalb Deutschlands. Eine neue, vierte Autobahn ist –auch aufgrund der schon vorhandenen Bundesstraßen (B289, B303, B22)- nicht erforderlich.

  • Die gezielte Verteilung des Verkehrs ist cleverer als eine Bündelung

Im Fichtelgebirge gibt es bereits –3- gut funktionierende West-Ost-Bundesstraßen (B289, B303, B22), die derzeit mit großem finanziellen Aufwand punktuell ausgebaut werden. Jeder Fahrer kann sich also die für seine Zwecke am besten geeignete Bundesstraße aussuchen, je nachdem ob er im Norden bei Münchberg, im Zentrum beim Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach oder im Süden bei Bayreuth unterwegs sein muss.

Eine vierte Autobahn zusätzlich zu diesen drei Bundesstraßen ist überflüssig. Eine Bündelung des gesamten Verkehrs auf nur einer neuen Trasse würde auch den unterschiedlichen Zielorten der Fahrer nicht gerecht und wäre daher kontraproduktiv.

Die bisherigen, aber auch die amtlich prognostizierten Verkehrszahlen rechtfertigen eine neue Autobahn nicht. So sind z.B. auf der B303 westlich von Bischofsgrün täglich nur ca. 6.000 Kfz unterwegs (1995 waren es noch 8.700 Kfz). Zum Vergleich: eine normale deutsche Bundesstraße zählt heute schon fast.10.000 Kfz. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden die vorgeschlagenen Waldsteintunneltrassen im Bundesverkehrswegeplan mit einem sehr schlechten Kosten-Nutzen-Faktor bewertet.

  • eine neue Autobahn würde zusätzlichen Verkehr anlocken

Es wird verschwiegen, dass die A6 bald fertig gestellt wird und dann das Fichtelgebirge weiter entlastet wird. Hierzu besagt das erste Gutachten der Fa. Dorsch Consult zur Autobahnplanung: „Nach Vollendung der A6 wird durch das Fichtelgebirge nur noch regionaler Verkehr anfallen.“ Aber eine neue „Rennpiste“ im Fichtelgebirge würde eine Konkurrenzautobahn zur A6 darstellen und somit zusätzliche Fahrzeuge, sprich zusätzliche Abgase/Schadstoffe/Feinstaub in den sehr kleinen und sehr empfindlichen Naturpark Fichtelgebirge hineinziehen.

  • Auch die Schiene kann zur Entlastung der Strasse beitragen

Die Bahnstrecke Nürnberg-Marktredwitz-Prag muss ausgebaut und elektrifiziert werden. Der Bundesverkehrswegeplan sieht das bereits vor, doch die Deutsche Bahn zieht noch nicht mit.

b) Ökonomische Argumente

  • Neubau ist viel teurer als Ausbau

Das Verkehrswirtschaftliche Gutachten der Fa. Dorsch Consult sagt aus, dass ein Neubau nur geringfügig wirkungsvoller wäre als ein moderater Ausbau der 3 bestehenden Bundesstraßen (B289, B303, B22). Die Kosten für den Ausbau lägen bei nur 75 Mio Euro, die Kosten für den Neubau einer Autobahn mit Tunnellösung hingegen bei ca. 450 Mio Euro ! In diesen 450 Mio Euro sind die Folgekosten für den Ausbau der „Schiefen Ebene“ auf der A9 noch gar nicht enthalten. Denn die geplante Versatzlösung im nördlichen Bereich des Fichtelgebirges würde bedeuten, dass die A9 auf der sogenannten „Schiefen Ebene“ und am Lanzendorfer Berg mit 20.000 Fahrzeugen, davon 4000 LKW pro Tag, zusätzlich belastet wird. Diese Zahlen wurden für das Projekt Fichtelgebirgs-Autobahn angemeldet! Die A9 ist für 80.000 Fahrzeuge täglich ausgelegt. Derzeit fahren in diesem Bereich schon knapp 70.000 Fahrzeuge davon 10.000 LKW täglich. Nach der Freigabe des sechsspurigen Ausbaus wies die A9 in diesem Bereich bereits eine deutlich erhöhte Unfallhäufigkeit auf, bedingt durch die Mittelgebirgstopographie mit Steigungen und Kurven. Es wurde zunächst eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h, später auf 120 km/h eingerichtet. Eine neue Versatzlösung der Ost-West-Verbindung auf der A9 würde daher unübersehbare Verkehrsprobleme heraufbeschwören. Die Folgekosten in diesem Bereich wären aufgrund der Topographie immens und sind bisher noch in keinster Weise erfasst.

  • Die Formel „Autobahn=Aufschwung=Arbeitsplätze“ ist widerlegt

Viele Politiker glauben an die einfache Formel: „Autobahn = Aufschwung = Arbeitsplätze“. Wenn das so wäre, stellt sich die Frage, warum der Landkreis Hof die höchste Arbeitslosenquote in Bayern hat. Eigentlich müsste es doch hier die meisten Arbeitsplätze geben, denn Hof hat nach München die höchste Autobahndichte in Bayern. Trotzdem behaupten viele Politiker weiter, eine vierte Autobahn würde Arbeitsplätze schaffen. Sachlich begründen können sie dies aber nicht. Die Realität stellt sich so dar:

Nach wie vor gibt es viele Gewerbegebiete an A9 und A93 die noch weitgehend ungenutzt bleiben. Dies liegt z.B. auch daran, dass es andernorts höhere Fördergelder für Firmengründer gibt. Doch natürlich siedeln sich in den Gewerbegebieten an der Autobahn auch Betriebe an. In der Regel handelt es sich dabei aber um Betriebe, die aus dem Stadtzentrum oder dem Hinterland wegziehen. Weil durch die Autobahnerreichbarkeit auch der Konkurrenz- und Rationalisierungsdruck steigt, lassen sie sich rationalisiert und „personalbereinigt“ in Autobahnnähe nieder. Dies ist insofern also nicht nur eine Verlagerung, sondern genau genommen auch eine Verringerung von Arbeitsplätzen.

Dafür bluten die Innenstädte und der ländliche Raum noch schneller aus. Denn Autobahnen führen auch zur Erleichterung des Auspendelns der Arbeitnehmer. Tages- oder Wochenpendler jedoch befriedigen ihre Konsumbedürfnisse vorwiegend am Arbeitsort in den Ballungsräumen. Darunter leidet der lokale Handel am Wohnort, denn Wertschöpfung und die Konsumkraft verringern sich, während die Probleme in den Ballungsräumen größer werden. Die regionalwirtschaftlichen Impulse für das Fichtelgebirge durch eine neue Autobahn sind daher insgesamt als äußerst gering einzuschätzen.

Lassen wir uns nicht täuschen, eine Autobahn wird nicht zum Wohle von Orten wie Kirchenlamitz oder Bischofsgrün gebaut, sie wird nicht zum Wohle des kleinen Fichtelgebirges gebaut, sondern Autobahnen sollen Vorteile für die großen Metropolen (z.B. München, Berlin, Frankfurt) bringen. Der ländliche Raum muss dafür den Boden hergeben und erhält Lärm und Abgase zurück.

  • Der Tourismus als zukunftsträchtigster Wirtschaftsfaktor

Unser Fichtelgebirge ist eines der kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. Zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren zählt in allen Kommunen der Tourismus. Um in dem immer härter umkämpften Markt um Übernachtungsgäste überlebensfähig zu bleiben, ist wie in allen anderen Branchen auch hier eine Mindestgröße erforderlich. Eine neue Autobahn würde das kleine Fichtelgebirge aber nochmals zerteilen. Ganz zu schweigen von den ökologischen Schäden durch Schadstoffeinträge und Lärmbeeinträchtigung ist das Fichtelgebirge langfristig gesehen als Touristikstandort nur als Ganzes überlebensfähig. Daher sind Wege zur Verkehrsreduzierung, z.B. per Maut, sinnvoller und zukunftsträchtiger als neue Verkehrsinduzierung.

  • Lärm vertreibt Touristen

Im kleinen Fichtelgebirge verlaufen viele Wanderwege und Loipen in Gipfelnähe. Hier würde es ungewollt zu starken Lärmbelästigungen durch den aufsteigenden Autobahnlärm kommen. Auf die Wanderer und Gäste würde das abschreckende Wirkung entfalten. Die Anstrengungen der letzten Jahre, den Tourismus zu fördern, würden mit einem Streich zunichte gemacht.

c) Ökologische Argumente

  • Der Naturpark Fichtelgebirge ist sehr wertvoll und sehr empfindlich

Unser Fichtelgebirge ist ein ökologisch extrem empfindlicher Naturpark. Das wurde auch durch das Gutachten der Fa. Dorsch Consult und durch das Bundesverkehrsministerium bestätigt. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan wurde festgestellt, dass die dort vorgeschlagenen Waldsteintunneltrassen bei der Umweltrisiko-Einstufung die schlechtest mögliche Note (nämlich die Note 5 von 5 Notenstufen) bekommen haben, d.h. sie wären im höchsten Maße verheerend für Umwelt und Natur. Schlechter als eine Note 5 ist in der Bewertungsskala nicht vorgesehen. Es ist davon auszugehen, dass auch andere Trassenvarianten –gleich ob im Norden, im Zentrum oder im Süden des Fichtelgebirges- sehr schlecht bewertet würden.

Das Fichtelgebirge ist als europäische Wasserscheide bekannt; hier entspringen vier Flüsse , die in alle vier Himmelsrichtungen abfließen (Saale, Naab, Eger, Main). Die Flussläufe und Waldböden sind aber schon heute meist stark übersäuert. Auch das Waldsterben schreitet unaufhörlich voran. Eine Vielzahl von geschützten Pflanzen- und Tierarten (z.B. Luchs, Schwarzstorch, Fischotter, Auerwild u. a.) wären bedroht durch eine neue Autobahn.

  • Inversionswetterlagen und Abgase führen zu gesundheitlichen Problemen

Es gibt im Fichtelgebirge ein ganz besonderes Phänomen, die sog. Inversionswetterlagen: Im Weißenstädter Becken, zwischen Waldstein, Epprechtstein und Kösseine, treten an sehr vielen Tagen Inversionswetterlagen auf. Dabei verhindert eine Wolkendecke, das Abfließen der unteren Luftmassen, verbunden mit lang anhaltendem Nebel. Auch Abgase können dann nicht abfließen.

Die Schadstoffe einer Autobahn würden insofern zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Flora, Fauna und Bevölkerung führen, z.B. zu Atemwegserkrankungen. Insbesondere schwächere Menschen, wie Kinder, sind für Bronchitis oder Asthma besonders anfällig. Ferner hat das Projekt BITÖK der Universität Bayreuth jüngst bei Untersuchungen am Waldstein - der nördlichen Begrenzung des Beckens - festgestellt, dass Nebel im Vergleich zu Regen einen siebzehn- bis zwanzigfach höheren Schadstoffeintrag im Wald verursacht. Da es im Fichtelgebirge ungewöhnlich viele Nebeltage gibt, ist dies ein alarmierendes Ergebnis. Nicht zuletzt aus diesen gesundheitlichen Gründen unterstützen auch viele Mediziner unsere Bürgerinitiative.

  • Die Trinkwasservorräte sind in großer Gefahr

Überall im Gebirgszug des Fichtelgebirges befinden sich große Trinkwasservorräte. Durch die bereits stark übersäuerten Flussläufe und Waldböden ist nun auch das Trinkwasser in großer Gefahr. Dies wurde 2006 sogar im Waldzustandsbericht bestätigt, dieser besagt:

„... Die Belastungen mit Stickstoff, die zum überwiegenden Teil aus dem Straßenverkehr (!) stammen, müssten im Fichtelgebirge um die Hälfte reduziert werden, um nachteilige Veränderungen zu vermeiden...“ (Quelle:Frankenpost,16.11.06,Seite 1).

  • Verheerender Flächenverbrauch durch Straßenneubau

Der Bau neuer Straßen beinhaltet immer einen größeren Flächenverbrauch als der Ausbau bestehender Straßen. Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf verkündete bei einem Besuch zum Deutschen Wandertag 2002 im Fichtelgebirge, er wolle die umweltfreundlichste Autobahn durchs Fichtelgebirge bauen. Geplant wird allerdings genau das Gegenteil der angekündigten Minimierung des Flächenverbrauchs, denn es soll eine Straße in die grüne Wiese gebaggert und geteert werden, für die es keinen Bedarf gibt!

Sollten diese Autobahnpläne verwirklicht werden, müssten auch die entsprechenden Anschlüsse und Zubringerstrassen zur neuen Trasse gebaut werden. Ohne einen Rückbau der heute schon in weiten Teilen auf vier Spuren ausgebauten B303alt würden sich dieser Flächenverbrauch und Zerschneidungseffekte durch zwei weitgehend parallele Trassen potenzieren.

  • Zerschneidungseffekte

Der geplante 4-spurige Neubau mit allen Lärmschutz- (4 bis 6 m hohe Wälle und Wände) und Wildschutzmaßnahmen stellt eine unüberwindbare Barriere für die Tiere dar. So ist bereits heute dokumentiert, dass die A93 wegen der trennenden Wirkung zu einer genetischen Verarmung der Wildpopulation führt. Der Raum, der zwischen A72, A9, A93 und einer eventuellen B303neu eingeschlossen wäre, würde sich zu einer kleinräumigen Populationsinsel entwickeln, die genetisch verarmen würde und dadurch unumkehrbaren Schaden erleiden würde.

  • Unser Naturpark Fichtelgebirge hat einen sehr hohen Freizeit- und Erholungswert

Jeder der sich schon einmal die Zeit genommen hat und einen Wanderurlaub im Fichtelgebirge verbracht hat, wird von den Schönheiten der Natur angetan sein. Ganz gleich ob die imposanten Granitformationen von Waldstein oder Kösseine, egal ob Förmitzspeicher, Weißenstädter See, Fichtelsee, ob Ochsenkopf, Schneeberg, ob Saalequelle oder Weißmainquelle, .... das Fichtelgebirge ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten auf engstem , sehr kleinem Raum. Nicht umsonst wurde es früher „das teutsche Paradeis“ genannt. Grüne Wälder, sanfte Hügel, ruhige Seen, familienfreundliche Rad-, Wander- und Skiwege, das sind die herausragenden Vorzüge des Fichtelgebirges.

Dieses für deutsche Verhältnisse kleine Mittelgebirge muss deshalb in seiner Gesamtheit sorgsam behütet werden. Es verträgt keine weitere Autobahn. Lassen wir es nicht so weit kommen. Helfen Sie mit!

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18.08.2017, 03:02 Uhr

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